Sarah J. W.
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« Antworten #79 am: 23. August 2010, 11:56:07 » |
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Ich bin am Wochenende dazu gekommen, Keith Ablows "Psychopath" zuende zu lesen. Vorausschicken sollte ich vielleicht, dass ich durchaus eine Vorliebe für Psycho-Thriller hege. Ich lese sie nicht ausschließlich und muss zwischendrin auch immer mal etwas anderes zum Entspannen haben oder etwas mit mehr Anspruch, aber ich fühle mich von derartigen Geschichten, wenn sie gut geschrieben sind, sehr gefesselt und mag das Gefühl von Spannung und Entsetzen, wenn ich eigentlich in meinem sicheren, schönen Bett liege!
Ablows "Psychopath" ist in der Tat gut geschrieben. Ich habe erst, während ich schon tief in der Geschichte drin steckte, erfahren, dass es eigentlich aus einer Reihe stammt mit Geschichten, die zwar nicht aufeinander aufbauen, durchaus aber Querverweise zu vorigen Fällen des selben Ermittlers enthalten. So auch in diesem Buch. Ich hatte allerdings nicht das Gefühl, den Vorgänger gelesen haben zu müssen, um diese Geschichte zu verstehen!
Der wohl interessanteste Aspekt dieses Buches ist die Tatsache, dass sowohl der Täter (eine großartig gezeichnete Figur!), als auch der Ermittler Psychiater sind, die auf einem sehr hohen Niveau schriftlich miteinander kommunizieren, beide von der Idee besessen, den jeweils anderen nach ihren Vorstellungen zu "heilen". Es werden zudem sehr interessante zwischenmenschliche Beziehungen dargestellt, fesselnde kleine Nebenhandlungsstränge initiiert und der Sprachstil sagte mir sehr zu.
Dann kam das Ende des Buchs. *seufz* Ich gebe zu, ich bin gewissermaßen zwanghaft, was Enden angeht. Das erstreckt sich von meinen eigenen Geschichten über nahezu alle Bücher, die ich lese oder Filme, die ich sehe. Eine Geschichte kann mich noch so begeistern, wenn ich das Gefühl habe, das Ende wird vergeigt, dann verändert das meine gesamte Meinung über die Geschichte. Und Ablow hat das Ende meiner Meinung nach gründlich vergeigt! Die ungewöhnliche Ermittlungsmethode (schriftliche, anonyme Kommunikation) führt ins Leere und der Täter wird mehr oder weniger durch zwei banale Zufälle identifiziert, was schon mal wirklich unbefriedigend ist. Zudem erscheint die wirklich hervorragend ausgestaltete Figur des Täters auf den letzten Seiten vollkommen anders, als in der vorigen Geschichte. Aus dem brillianten Psychiater, der auf Grund eines "Gott-Komplexes" immer wieder tötet wird plötzlich ein völlig überzeichneter, irrelachender Superbösewicht, der nahezu nichts mehr mit der vorigen Figur zu tun hat. Die spannenden zwischenmenschlichen Beziehungen (hauptsächlich von Seiten des Ermittlers) werden am Ende auf wenigen Seiten zusammengestaucht. Das Buch wirkt, als ob der Verleger dem Auto nach ungefähr 3/4 des Buchs gesagt hätte, er müsse jetzt hurtig zu einem Ende kommen, woraufhin der Autor schnell alles auf den letzten Seiten auflösen musste.
So legte ich das Buch weg und gab am Ende nur eine drei Plus, dafür, dass es mich zumindest einige Abende lang recht gut zu unterhalten vermochte, am Ende aber einfach nicht zu einem stimmigen Schluss kam.
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